Was sind Sozialforen?

Unter dem Motto "Eine andere Welt ist möglich" entstand 2001 in Porto Alegre/Brasilien das Konzept der Sozialforen als Vernetzungsmedium für globalisierungskritische Menschen und Organisationen. Seither entwickelte sich das Konzept weiter, und es entstanden neben dem Weltsozialforum auf allen Kontinenten, in diversen Ländern und Regionen kleinere Sozialforen, an denen alle teilnehmen können, die sich der Charta von Porto Alegre verpflichtet fühlen und für ein demokratisches, friedliches und gleichberechtigtes Miteinander eintreten. Diese Form der Organisierung ist mittlerweile in vielen Teilen der Erde zu einer Institution geworden, wo tausende Menschen jährlich die Möglichkeit haben, einander zu begegnen.
Sozialforen sollen als Alternative zu einer wirtschaftlich globalisierten Welt der multinationalen Konzerne die Möglichkeit bieten, sich untereinander auszutauschen, zu vernetzen und neue Ideen zu einer anderen Welt zu entwickeln. In Workshops, Seminaren und Konferenzen haben die Menschen verschiedenster Organisationen (sowohl aus der Zivilgesellschaft als auch von Parteien und Gewerkschaften) die Gelegenheit sich zu begegnen. Daraus ergeben sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Organisationen, die in ihrer täglichen Arbeit oft nur wenig Kontakt zueinander haben.
Für uns ist es eine gute Möglichkeit, gemeinsam mit NGOs und der organisierten Zivilgesellschaft zu diskutieren und neue Standpunkte und Argumente zu erfahren. Aber auch der Kontakt zu Gewerkschaften in anderen Ländern kann dort entstehen. Daher ist für uns eine Teilnahme wichtig und notwendig.

Als Sozialforen werden offene, demokratische Diskussionsforen von GlobalisierungskritikerInnen bezeichnet, die zu Themen der Globalisierung wie Gleichheit, Gerechtigkeit, Demokratisierung, Friede und Umweltschutz diskutieren und sich zu Netzwerken zusammenschließen, um die Probleme der Globalisierung in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Nach dem Vorbild des 1. Weltsozialforums in Porto Alegre werden Alternativen und Positionen erarbeitet.

Die Charta des Weltsozialforums

Die Charta wurde 2001 in Porto Alegre von allen teilnehmenden Organisationen unterzeichnet und stellt bis heute die Grundlage aller Sozialforen weltweit dar.
Gleich im 1. Paragraphen wurde darin festgelegt: Sozialforen sollen ein "Ort der Reflektion und der demokratischen Debatte, der Formulierung von Vorschlägen, des freien Austauschs von Erfahrungen und der Vernetzung für effektive Aktionen sein. Das Forum soll Gruppen und Bewegungen der Zivilgesellschaft dienen, die einerseits den Neoliberalismus, eine vom Kapital dominierte Welt sowie jede Form von Imperialismus ablehnen, und andererseits sich dem Aufbau einer globalen Gesellschaft verpflichtet fühlen, die auf fruchtbare Verhältnisse zwischen den Menschen wie auch zwischen diesen und dem Planeten zielt."
 
Die TeilnehmerInnen verpflichten sich zu einem demokratischen, überparteilichen, pluralistischen und nicht konfessionellen Verhalten. Die Sozialforen haben eine internationale Dimension und sollen die Vielfalt von Geschlechtern, Ethnien und Kulturen der TeilnehmerInnen widerspiegeln ohne Rassismus, Sexismus und Gewalt.
Aufgebaut auf Solidarität zwischen den Menschen der Welt soll ein Zeichen gegen Krieg, Totalitarismus und Umweltzerstörung gesetzt werden, wo die universellen Menschenrechte eingehalten werden und gleichberechtigt gehandelt wird. Weder ParteivertreterInnen noch militärische Organisationen dürfen an den Foren teilnehmen.
Nachdem die Sozialforen keine eigene Organisation oder Institution darstellen, kann auch nicht in deren Namen gesprochen werden; sie bieten aber die Möglichkeit, gemeinsame Resolutionen und Anträge zu entwickeln und gefällte Beschlüsse weiter zu verbreiten.
Paragraph 12 besagt: Durch den "…Rahmen des Austausches von Erfahrungen ermutigt das Weltsozialforum die teilnehmenden Organisationen und Bewegungen zum gegenseitigen Verständnis und zur gegenseitigen Anerkennung und legt besonderen Wert auf Austausch von Erfahrungen darüber."
Im Sinne des Mottos "eine andere Welt ist möglich" stellen Sozialforen ein Netzwerk zum friedlichen Widerstand gegen die Globalisierung dar.
 

 

Wir leben in einer globalisierten Welt

"Solange die Globalisierung nach dem gegenwärtigen Muster betrieben wird, läuft sie auf Entziehung demokratischer Gestaltungsrechte hinaus. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie auf Widerstand stößt, insbesondere bei denen, denen Mitspracherechte entzogen werden." (Joseph E. Stiglitz)

Die Globalisierung kam nicht von heute auf morgen

Bereits in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte ein Richtungswechsel der Wirtschaftspolitik in Westeuropa beobachtet werden. Der Trend ging weg von der Konsenspolitik und der Überzeugung, dass staatliche Regulierungen zur sozialen Absicherung, Vollbeschäftigung und Preisregulierung wichtig sind. An dessen Stelle trat die Ideologie des Liberalismus. Neue Schlagworte wie die Wettbewerbsfähigkeit oder der uneingeschränkte Individualismus der Menschen wurde eingeführt. Der Markt wurde erstmals als etwas Natürliches dargestellt, der sich selbst regulieren könne und nach der „Logik“ von Angebot und Nachfrage zur Umverteilung führe. Jeder Einfluss von außen sowie Kontrollmechanismen seien schädlich und hinderlich. Ziel ist die Liberalisierung des Marktes ohne nationale Grenzen und Zölle.

Die Globalisierung beschleunigte sich nach dem Zusammenbruch der real-sozialistischen Staaten

Erst nach dem Zusammenbruch der real-sozialistischen Staaten Anfang der 90er Jahre und damit dem Wegfallen des rivalisierenden Gesellschaftssystems, konnte sich der Neoliberalismus uneingeschränkt ausbreiten. Die Interessen des Marktes wurden vor die Interessen der Menschen gestellt. Im Geiste der Gewinn- und Produktivitätssteigerung kam es zu einer immer schärferen Umverteilung hin zu wenigen Reichen – wodurch die Armut wuchs! Begünstigt wurde diese Entwicklung durch neue Kommunikations- und Transportsysteme. Der Staat wird in seiner aktiven Rolle in der Wirtschaftspolitik immer weiter zurück gedrängt und hat kaum mehr Steuer- und Einflussmöglichkeiten im Sinne der Bevölkerung. Transnationale Konzerne bestimmen nun die Weltwirtschaft und drängen auf Privatisierungen, Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten und Abbau der sozialen Standards zur Profitmaximierung.

Die Globalisierung und ihre Auswirkungen

Damit die Wirtschaft ungestört ihre Gewinne steigern kann, müssen die Kosten reduziert, die Sozialleistungen gekürzt und die Rechte der ArbeitnehmerInnen eingeschränkt werden. Der Sozialstaat und seine Institutionen (wie das Kammernsystem und die Sozialpartnerschaft) seien laut VertreterInnen der Wirtschaft Relikte aus vergangener Zeit und nicht mehr auf die heutige Situation anwendbar. Die Rechte der ArbeitnehmerInnen werden als unnötig dargestellt, da wir doch alle „gemeinsam“ für die Verbesserung der Lebenssituation arbeiten „müssen“.
Allerdings erweist sich der globalisierte Kapitalismus trotz aller Propaganda als unfähig, seine eigene Entwicklung nachhaltig zu regulieren, eine gerechte Umverteilung oder die Anhebung des Lebensstandards zu garantieren. Im Gegenteil: Die ArbeitnehmerInnen in Österreich stehen in ständiger Konkurrenz zu den ArbeitnehmerInnen in Osteuropa, diese wiederum müssen sich mit den Arbeitsbedingungen in Asien messen - und so kommt es zu einem kontinuierlichen Absinken des Lebensstandards.
Auch Entwicklungsländer stehen vor großen Problemen, denn für Kredite von Weltbank und internationalem Währungsfonds müssen sie ihre Märkte öffnen, Schutzzölle abbauen und sich somit dem Neoliberalismus ausliefern.
Globalisierung führt zu Ungleichheiten sowohl innerhalb als auch zwischen den Ländern.

Wir müssen uns zusammenschließen!

Menschen auf der ganzen Welt, unabhängig von Glauben oder Gesinnung, haben mittlerweile erkannt, dass diese globalisierte Weltwirtschaft nicht im Sinne der Interessen der Mehrheit der Weltbevölkerung arbeitet. Überall auf der Welt entstehen Antiglobalisierungsbewegungen und der Widerstand wächst. Wir haben erkannt, dass der Kampf gegen multinationale Unternehmen und eine globalisierte Weltwirtschaft nur international sein kann. Wir sind dabei, ein Netzwerk über die ganze Welt zu spannen, um die Interessen der ArbeitnehmerInnen und damit den Großteil der Bevölkerung vertreten zu können.